Geboren 1933 in Vortum-Mullem, einem kleinen Ort im Osten der Provinz Nord Brabant, seit 1963 wohnhaft in Venlo in Nord-Limburg, wuchs Theo Fransen von Anfang an mit dem Karneval bzw. dem „vastelaovend“ auf.

Sowohl in Vortum-Mullem, als auch in Venlo sprechen die jüngeren Leute von „Carnaval“, die ältere, traditionsbewusste Generation bezeichnet die Feierlichkeiten als „vastelaovend“.

In Venlo ist außerdem die älteste „Vastelaoves Gesellschaft“ der Niederlande „Jocus“ beheimatet. Gegründet wurde die Gesellschaft in 1842; die Traditionen gehen in Venlo aber bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Der erste Kontakt mit den karnevalistischen Bräuchen waren das Mettwurstrennen in seinem Geburtsort am Karnevalsmontag, das seit 1739 veranstaltet wird, und das Gänsereiten. Letzteres wurde vom ortsansässigen „Vastelaoves Verein“ veranstaltet, den es bereits seit 1888 gibt. Theo Fransens Vater half dabei die Gans zu präparieren, sein Onkel war sogar einmal Gänsekönig. Die Affinität zum Karneval lag also in der Familie.

 

Im Rahmen seines Soziologiestudiums schrieb Theo Fransen 1954 eine Arbeit über Ventilsitten und ging dabei mit einem Kapitel auf den Karneval und in einem anderen Kapitel auf die Kirmes ein. Noch vor Ende des Studiums erhielt Theo Fransen die Nachricht, dass der kulturelle Rat der Provinz Limburg einen Doktoranden suchte, der seine Arbeit genau diesem Thema widmen wollte. Ausgangspunkt für die Arbeit sollte eine repräsentative Befragung in der ganzen Provinz sein.

 

Später in 1976, inzwischen Leiter des Amtes für Sozialforschung und Statistik der Gemeinde Venlo wurde Theo Fransen vom scheidenden Präsidenten der Vastelaoves Gesellschaft Jocus damit beauftragt, zu erforschen, wie die Venloer zu Karneval stehen, wie die Zukunftsaussichten des Karnevals sind.

 

Als Mitglied im Vorstand des Limburgischen Karnevalsmuseums übernahm Theo Fransen 1982 die Aufgabe eine Broschüre für Studenten und Vereine zu erstellen. Daraus entstand das Buch „Carnaval Ontmaskerd?“.

Insgesamt verfasste Theo Fransen vier Bücher über den Karneval:

  • Carnaval Ontmaskerd? [Karneval demaskiert?] (1981)
  • Alaaf Carnaval in Nederland en België [Alaaf Karneval in den Niederlanden und Belgien] (1984)
  • Gekke Maondaag. Binneste boete [Verrückter Montag. Verkehrt herum ] (2008)
  • Hèt carnavalsboek Van Lentefeest tot Festival [Das Karnevalsbuch Vom Frühlingsfest zum Festival] (2014)

Dazu kommen noch sehr viele Artikel und Vorträge im In- und Ausland.

 

In diesen Büchern und Artikeln befasst er sich mit kulturhistorischen und religionssoziologischen Themen sowie mit empirisch zukunftsorientierten sozialpsychologischen / anthropologischen und ethnologischen Themen. Letztere Themen wählte Theo Fransen auch aufgrund seines Studien-hintergrundes aus. Die behandelten kulturhistorischen und religions-soziologischen Themen gehen darauf zurück, dass Theo Fransen das Interesse der Bevölkerung an der Geschichte wahrnahm. Er stellte fest, dass die Leute sich zwar für die Geschichte des Karnevals interessierten, aber die wenigsten etwas darüber wussten. Er vertrat die Auffassung, dass der Karneval ein wichtiges immaterielles Kulturerbe sei – lange bevor das auch in der Gesellschaft so anerkannt wurde.

 

Dass Theo Fransen sich nicht nur wissenschaftlich mit dem Karneval befasst, sondern auch viele Jahre aktiver Karnevalist war und ist, sieht man auch an den vielen Ehrungen und Posten, die er erhielt bzw. inne hatte und auch heute noch hat. 1965 wurde er „Doctor Humoris Causa“ in Brugge, seit 1974 ist Theo Fransen Vorstandsmitglied des Karnevalsmuseums Limburg in Venlo und seit 1975 „Student“ der NUL (Narren Universität Limburg) in Maastricht. In 1985 wurde Theo Fransen in Brugge zum Ritter der Bruderschaft „Het Gulden Vlies“ geschlagen; von 2003 bis 2007 war er „Grootkanselier“ der Kanzlei Niederlande dieser Bruderschaft und seitdem Ehren-„Grootkanselier.

Auch in Dülken ist Theo Fransen seit 1985 „Doctor Humoris Causa“. Seit 1973 ist er zudem Ehren-Vorstandsmitglied/Berater beim BCL (Bond Carnavals Verenigingen Limburg). In dieser Funktion war er seit 1976 jährlich bei der Aussenbeauftragten Konferenz und den Tagungen der NEG anwesend; außerdem war er Mit-Organisator der mehrtägigen NEG-Tagungen in Venlo (1977 und 1985) und in Den Bosch (1991). Von 1995 bis 2012 war Theo Fransen Initiator und Herausgeber der jährlichen deutschsprachigen Bulletins der NEG. Von 2001 bis 2012 war Theo Fransen Mitglied des Hauptvorstandes der NEG und seit 2012 Ehrenmitglied der NEG.

 

Theo Fransen bezeichnet sich selbst als „wissenschaftlicher“ Karnevalist, sieht es aber als notwendig an, viele Veranstaltungen zu besuchen, weil man dieses Fest seines Erachtens als „Außenseiter“ nicht erforschen kann. Nach 60 Jahren aktiver Karnevalsarbeit könne man immer noch etwas dazu lernen, sagt Theo Fransen, auch weil sich der Karneval zeitgemäß weiterentwickle. Sein Fazit lautet: Es ist das schönste Hobby der Welt.

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